Urban Seed – Ein Social-Media-Game zum Klimawandel

17 Nov 2011
Eine düstere Zukunftsvision: Eine Stadt grau und kalt wie Beton, ohne Bäume, ohne Pflanzen. Doch es gibt eine Chance, durch Guerilla Gardening entstehen grüne Inseln im tristen Grau. Das Spiel „Urban Seed“ ist das Ergebnis eines Workshops über Gamification. Studierende des zweiten Semesters Gamedesign an der MD.H Berlin haben gemeinsam mit der Climate Media Factory der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ begonnen, Klimaveränderung spielbar zu machen.
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„Guerilla Planter“ sind rebellische Helden, die sich mit Samenbomben und Schlingpflanzen gegen Backstein und Beton zur Wehr setzen. Einer von ihnen ist der Held von „Urban Seed“, einem Jump 'n' Run-Spiel, das in einem Workshop im Frühsommer 2011 geboren wurde und in diesem Wintersemester weiter ausgearbeitet wird. Ziel ist es, ein spannendes Social-Game zu  erschaffen, das in jedem gängigen Browser funktioniert. Dabei sollen umweltrelevante Themen den Spielern verständlich näher gebracht werden ohne den mahnenden Zeigfinger zu erheben. Gleichzeitig sind einige der Handlungsansätze, ganz im Sinne von Gamification, potenziell in die Wirklichkeit übertragbar.

Das Besondere bei der Spieleentwicklung sind aber nicht nur die komplexen Inhalte – das Thema Klimawandel und der Trend „Guerilla Gardening“ – sondern auch der interfakultäre Entstehungsprozess: Klimawissenschaftler und Autoren der Climate Media Factory haben die Studierenden bei der Realisierung von „Urban Seed“ unterstützt.
Die Climate Media Factory selbst ist ein interdisziplinäres Medien-Entwicklungslabor der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF) und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), das klimawissenschaftliche Inhalte für bestimmte Zielgruppen aufbereitet. Geistes- und Naturwissenschaftler arbeiten gemeinsam sowohl an der inhaltlichen als auch konzeptionellen Gestaltung der Medienprodukte. „Bei dem Projekt ‚Urban Seed’ haben wir erprobt, ob und wie sich Klimawissenschaftler an den verschiedenen Phasen einer Spieleentwicklung beteiligen können und sind kontinuierlich in den Dialog mit den Studierenden getreten – aber wir haben ihnen auch viel Gestaltungsfreiheit gelassen“, berichtet Heike Munderloh vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „Nicht nur der Bezug zum Klimawandel und zur Nachhaltigkeit war uns wichtig, sondern auch der Spielspaß und die Kreativität der Studierenden“, ergänzt die Autorin Christiane Hütter. Sie hat die Spieleentwicklung dramaturgisch betreut und freut sich, dass die Studierenden mit Guerilla Gardening ein so aktuelles und visuell ergiebiges Thema aufgegriffen haben. Christiane Hütter hält besonders Games dafür geeignet, Themen des Klimawandels darzustellen: „Games können diese Komplexität und verschiedene Ausgangsszenarien besser darstellen als viele andere, eher linear ausgerichtete Medientypen“.

Für die Gamedesign-Studenten lag die größte Herausforderung vor allem darin, die vielen, sehr unterschiedlichen Inhalte zu einem Gesamtkonzept zu vereinheitlichen. Für die grafische Gestaltung war es wichtig, Pflanzen zu finden, die in der Realität existieren und über ein so typisches Aussehen verfügen, dass sie auch im Spiel immer erkennbar bleiben. Für die anderen wissenschaftlichen Aspekte war ebenfalls viel Rechercheaufwand nötig. „Es hat mich begeistert, mit welchem Enthusiasmus  sich die Stundenten dieses Thema erschlossen haben. Am Ende des 2D-Projekts, das sich an den Workshop angeschlossen hat, waren sie quasi selbst Experten.“, sagte der zuständige MD.H-Dozent Thomas Langhanki.

Auf „Urban Seed“ sollen weitere Kooperationen zwischen der MD.H und der  Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, Deutschlands ältester und größter Filmhochschule, folgen.

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