Mode zwischen Todeangst und Individulitätsexpression - eine mentalitätshistorische Analyse

14.06.2018

Bachelorarbeit im Fachbereich Modemanagement, 2017
MD.H Berlin

Studentin
Louisa Seitz

Prüfer
Erstgutachter: Alexander Bretz
Zweitgutachter: Prof. Nina Hein

Einleitung und Problemstellung

Modesoziologische Betrachtungen und historische Bewegungen in der Gesellschaft sollen verknüpften und Mode in einen Kontext setzen. Zur detaillierten Analyse dieser soziologischen Verknüpfungen kann der mentalitätshistorische Ansatz der »Annales« - Schule, eine differenzierte Methodologie der Geisteswissenschaften, herangezogen werden. Einer seiner bekanntesten Vertreter war Phillip Aries. In verschiedenen Werken befasste er sich mit dem Tod und seiner Geschichte. Themen des gesellschaftlichen Tabus tangieren, die Privatisierung des Todes, findet bei Aries Verwendung.

Lassen sich diese Einstellungen zum Tod auf die Mode übertragen? Wie kann die Methodik der Mentalitätstherie auf die Mode als Individualitätsexpression angewendet werden? Spannend ist die Kombination aus der Mode und Tod, zwei Themen, die vordergründig wenig Überschneidung finden, welche jedoch beide mit Umschreibungen wie Vergänglichkeit, Emotionsverlagerung und Angst vor Nivellierung definieren lassen.

Zielsetzung

Ziel ist es, Mode zwischen Todesangst und Individualitätsexpression mentalitätshistorisch zu analysieren und Einstellungen zum Tod und zur Mode zu vergleichen. Welche Rolle spielt die Identitätskreierende Mode der 20er Jahre unter der Todesangst des Ersten Weltkrieges und dem Trauma der Nachkriegszeit?

Zusammenfassung

Eine mentalitätshistorische Herangehensweise zur Untersuchung von Mode zwischen Todesangst  und Individualitätsexpression lässt sich effektiv nutzen, um gesellschaftlische Einstellungen zu beschreiben und zu vergleich. Der methodische Ansatz Aries ist von Bedeutung, da kleine gesellschaftliche Veränderungen in Einstellungen zu Themen wahrgenommen und daraus historische Ereignisse beschrieben oder hergeleitet werden können.

Die von Aries beschriebenen Einstellung zur Ausbürgerung und Privatisierung des Todes stehen der Brutalität und Omnipräsenz des Todes durch den Krieg gegenüber: Auf der einen Seite steht die verborgene Trauer, die gesundheitliche Lüge und das daraus resultierende Schweigen bezüglich des Sterbens, der medizinische Fortschritt, die Abstinenz von Leid und das Streben nach seelischer Reinheit und Glück. Die andere Seite definiert die durch Todes- und Kriegspräsenz traumatisierte Gesellschaft.

Die Angst vor dem Tod verbreitete sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es ist jedoch weniger die Angst vor dem Sterben an sich oder vor möglichem Leid, sondern die Angst vor totaler Nivellierung und Gleichgültigkeit, die mit dem Tod einsetzt. Eine zukünftige Teilhabe am Leben durch Erinnerungen der Angehörigen entfällt; der Tod wird verborgen, ausgelagert und privatisiert. Die Angst vor der Gleichheit durch Tod ist die erste Stufe des korrelativen Zusammenhangs von Identitätsexpression und Angst vor Nivellierung. Die Absenz der Todesthematik in der Gesellschaft intensiviert die Bedeutung von Leben und Lifestyle. Das Leben und die persönlichen Differenzierung werden, u.a. durch die Mode deutlich fokussiert, so dass folglich eine Angst vor fehlender Identitätsvielfalt zu Lebzeiten entsteht.

Als Instrument eines Lösungsansatzes bietet die Mode eine Umleitung beziehungsweise ein Ventil für Gefühle und Einstellungen gegenüber dem Tod und ist des Weiteren Ausdruck von Progression in Lifestyle und Kommerz der 1920er Jahre. Die Mode bietet einen Lösungsansatz zur immer wichtigeren Persönlichkeitsexpression und Identitätsfindung.

Welche Rolle die Mode zwischen Todesangst und Individualitätexpression spielt, und welche Ausmaße diese annehmen können, lässt sich an dem Beispiel Paul Grappes aufzeigen. Der Ausdruck der Andersartigkeit verhalf Paul zu überleben, sogar ein Leben im Stil der 1920er Jahre zu führen. Ein Andersbleiben als Identität funktionierte nur, solange es externe Umstände ermöglichten. Nach Wegbrechen dieser Strukturen und Entfallen der Notwendigkeit der Andersartigkeit erreicht ihn die verdrängte Auseinandersetzung mit dem Tod.

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