Zwei Wochen in Changsha

28.10.2026

Prof. Carsten Giese
Dozent
Carsten Giese

MDH-Studierende entdecken chinesisches Kulturerbe

Ein internationaler kreativer Austausch an der Hunan Normal University, der Gestaltung, Tradition und neue Perspektiven auf visuelle Kommunikation miteinander verbindet.

1.jpg

 

Vom 15. bis 30. September hatte ich die Freude, gemeinsam mit neun Studierenden der Mediadesign Hochschule (MDH) nach Changsha in China zu reisen. Die Gruppe setzte sich aus Studierenden der Standorte Berlin, Düsseldorf und München zusammen und vereinte unterschiedliche Studiengänge und Semester sowie Alumni. Gemeinsam nahmen wir am International Youth Co-Creation Camp on Digital Revitalization and Innovative Communication of Cultural Heritagean der Hunan Normal University (HNNU) teil. Ich persönlich war besonders gespannt darauf, wie dieser internationale Austausch unsere Studierenden und ihre gestalterische Arbeit inspirieren würde.

Während der gesamten zwei Wochen begleitete uns eine zentrale Frage: Was lehrt uns die Vergangenheit für unsere Gegenwart? Und wie kann visuelle Kommunikation das Gestern bewahren, das Heute verstehen und das Morgen mitdenken?

9_0.jpg
10_0.jpg

Die erste Woche bot uns einen außergewöhnlichen Einblick in den kulturellen Reichtum der Provinz Hunan. In Workshops zu chinesischer Kalligrafie und Malerei konnten wir uns unmittelbar mit traditionellen künstlerischen Praktiken auseinandersetzen. Exkursionen zu Museen, Tempeln und historischen Orten eröffneten uns weitere Perspektiven auf die chinesische Kultur. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir der Besuch des Wuxi-Stelenwaldes mit seinen eindrucksvollen Inschriften und Wanddarstellungen, das Nüshu-Museum in Jiangyong, das einer einzigartigen, historisch von Frauen verwendeten Schrifttradition gewidmet ist, sowie das rund 1.200 Jahre alte Dorf Yongzhou.

1.jpg
2.jpg
3.jpg
5.jpg
8.jpg

In der zweiten Woche verlagerte sich der Schwerpunkt vom Erleben kulturellen Erbes hin zu seiner gestalterischen Interpretation. Eine Paneldiskussion und Fachvorträge brachten unterschiedliche Perspektiven beider Hochschulen zusammen. Professor Li Shaobo, Dekan der Fakultät für Bildende Kunst an der HNNU, Professor Lu Wen, Direktor der Abteilung für Digitale Medienkunst, Professorin Sybille Schmitz, Studiengangsleiterin am MD.H-Standort München, und ich teilten unsere Gedanken zu Typografie, Schriftkunst, kulturellem Erbe und deren Bedeutung für die visuelle Kommunikation von heute und morgen.

Diese Diskussionen bildeten den Ausgangspunkt für einen gemeinsamen Workshop mit 15 Studierenden der HNNU und der MDH. In fünf Gruppen übersetzten die Studierenden ihre Erlebnisse und Beobachtungen in eigenständige visuelle Kommentare. Die Begleitung dieses Prozesses war für mich besonders bereichernd: Zu erleben, wie unterschiedliche kulturelle Hintergründe, persönliche Interpretationen und gestalterische Ansätze zusammenkommen und dabei unerwartete Perspektiven eröffnen, war eine der schönsten Erfahrungen dieser Zusammenarbeit. Die entstandenen Arbeiten wurden abschließend einem Publikum präsentiert und in einem Katalog dokumentiert.

15.jpg
16.jpg
17.jpg
18.jpg
19.jpg

Über die Workshops und die fertigen Projekte hinaus werden mir vor allem die Offenheit, die Großzügigkeit und die außergewöhnliche Gastfreundschaft in Erinnerung bleiben, mit der wir empfangen wurden. Das Programm war hervorragend organisiert, und der Austausch war nicht nur fachlich, sondern auch persönlich eine große Bereicherung. In diesen zwei Wochen wurden aus ersten Begegnungen intensive Gespräche, aus der Zusammenarbeit neue Ideen und aus Begegnungen neue Freundschaften.

Für mich macht genau das den Wert eines internationalen kreativen Austauschs aus. Es geht um weit mehr, als eine andere Kultur kennenzulernen. Es geht darum, eigene Sichtweisen zu hinterfragen, den eigenen Horizont zu erweitern und zu erleben, wie Gestaltung Verbindungen über Sprachen, Traditionen und Grenzen hinweg schaffen kann.

Mein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten der Hunan Normal University und der MDH, die diese zwei Wochen zu einer so besonderen und bereichernden Erfahrung gemacht haben.